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Newsletter #04 | 9. Juni 2017


Sehr geehrte(r) Frau/Herr ,

erreignisreiche Tage waren das aus Sicht von LocalCommerce.info: Die Dialogplattform Einzelhandel lud in dieser Woche zur Schlussveranstaltung nach Berlin. Die Sonntagsöffnung, ein meiner Meinung nach grandioses Ablenkungsmanöver von selbstgestrickten Unzulänglichkeiten des filialisierten, großflächigen Innenstadthandels, geisterte nach dem Aufschlag der Initiative „Selbstbestimmter Sonntag“ wie eine Klette durch die Gazetten. 

Einmal mehr wurde eine mediale Lanze für das Wuppertaler Modell eines lokalen Online-Marktplatzes gebrochen und ausgerechnet der Counterpart eBay wagte sich – rechtzeitig nach dem Dialogplattform-Finale – mit seiner „City-Initiative“ als konkretes Leistungspaket für Städte und Kommunen aus der Deckung.

Weil das alles eingeordnet gehört, finden Sie in diesem Newsletter entsprechenden Lesestoff, der für ein Wochenende reichen sollte. Darüber hinaus aber sei erwähnt, dass das Verzeichnis digitaler City-Initiativen auf LocalCommerce.info um einen sehr interessanten Ansatz aus Wien reicher ist. Der nunmehr 80. Datenbankeintrag heißt imGrätzl.at und auch ein Forschungsprojekt des Bundesverbands für Wohnen und Stadtentwicklung (vhw) zeigt, das digitale Nachbarschaftsplattformen mehr als eine oberflächliche Betrachtung wert sind.

Schönes Wochenende!

Ihr

Andreas Haderlein
Gründer und Chefredakteur
Local Commerce Alliance



Die Themen im Überblick:

1. Nach dem Finale ist vor dem Finale: Was auf die Dialogplattform Einzelhandel folgen könnte
2. Online City Wuppertal vs. Mönchengladbach bei eBay: WDR wagt den Vergleich
3. eBay „lokal & digital“: Online-lokale Relevanz oder Online-Umsätze mit Kunden aus Übersee?
4. imGrätzl.at: Die stadtteilsegmentierte Nachbarschaftsplattform aus Wien

1. Das Finale der „Dialogplattform Einzelhandel“

Zwei Jahre hat das IFH Institut für Handelsforschung im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (BMWi) Workshops abgehalten, Diskussionen moderiert, Dokumentationen geschrieben und Powerpoint-Folien gebastelt. Am 6. Juni 2017 nun kam es in Berlin unter den Augen der Bundeswirtschaftsministerin Brigitte Zypries zum Abschluss des Prozesses – vorläufig, denn ein Kompetenzzentrum könnte folgen.

Bei aller Kritik am Ergebnis der Auseinandersetzung – die Schlussberichte sind eine gute Argumentationsgrundlage für Förderanträge und hilfreiche Zitatquellen bei der Überzeugungsarbeit in Städten und Regionen, der digitalen Transformation Taten und nicht nur Worte folgen zu lassen.

Lesen Sie hier den gesamten Bericht zur Veranstaltung »


2. Online City Wuppertal vs. Mönchengladbach bei eBay: der Wettstreit um den besseren Ansatz geht weiter

atalanda, „Local Commerce Alliance“-Mitglied der ersten Stunde und Partner der Online City Wuppertal, verkündete unlängst, auch für zwei von drei Städten der Förderinitiative „Digitale Einkaufsstadt Bayern“ als Marktplatzbetreiber zur Verfügung zu stehen. 

Nun kommt die „RoPo-Maschine“ aus Freilassing in einem WDR-Beitrag zu Online-Netzwerken als (vermeintliche) Frequenzbringer für Innenstädte abermals besser weg als eBay, das in Mönchengladbach seine ersten Gehversuche als digitaler Infrastrukturgeber für Innenstadthändler machte. Gradmesser der Beurteilung sind die, die es wissen müssen, die Händler. Jeweils zwei aus den beiden Städten sind im TV-Beitrag portraitiert.

Direkt zum Video »



3. Das City-Engagement von eBay geht in den Regelbetrieb – ein Kommentar

Insbesondere der Handelsverband Deutschland (HDE) tat sich an vielen Stellen, zuletzt in einer gemeinsamen Veranstaltung mit eBay namens „Lokal & digital“ in Berlin als Unterstützer der City-Initiative des US-Konzerns hervor (siehe „Im Schatten des Brandenburger Tors: Die Soirée von HDE und eBay enttäuscht auf ganzer Linie“).

Das Engagement von eBay in Städten startete in Europa zwar in Italien („eBay adotta L’Aquila“), hierzulande aber gewann es mit den Pilotprojekten in Mönchengladbach und später in der Kleinstadt Diepholz („Diepholz bei eBay“) an Konturen.

Nicht zuletzt fand man mit Prof. Dr. Gerrit Heinemann einen stimmgewaltigen Fürsprecher für das Projekt, das in seinem neusten Fachbuch „Die Neuerfindung des stationären Einzelhandels“ auch als Best-Practice-Beispiel (S. 148 ff.) und Handlungsempfehlung (S. 164 ff.) hervorgehoben ist. Darüber hinaus war Heinemann bzw. das eWeb Research Center der Hochschule Niederrhein bereits mit der vorgelagerten Untersuchung „mg.retail2020“, die die Wirtschaftsförderung der Stadt Mönchengladbach (WFMG) im Auftrag des NRW-Wirtschaftsministeriums durchführte, der Trigger des eBay Pilotprojekts in Mönchengladbach.

eBay launcht nun das Leistungspaket „lokal & digital“ offiziell und kündigt qua Pressemitteilung vom 8. Juni 2017 die Ausweitung seiner digitalen City-Initiative angekündigt an (mehr Infos zu „eBay City“). Bis Ende des Jahres will man fünf weitere Städte gewinnen. Außerdem wird – wie erwartet – die vom Verband der Digitalwirtschaft Bitkom und dem Deutschen Städte- und Gemeindebund (DStGB) prämierte Gewinnerstadt des Wettbewerbs „Digitale Stadt“ mit der eBay-Infrastruktur ausgestattet sein („Wer wird die deutsche Modellstadt der digitalen Transformation?“).

Ungeachtet der schwierig zu beantwortenden Frage, ob globale Online-Kunden lokale Geschäfte vor dem Aus bewahren (siehe WDR-Beitrag und die Gegenüberstellung von Mönchengladbach und Wuppertal), geriert sich eBay nach wie vor als Rettungsanker für drängende Probleme wie Innenstadtverödung und Ladensterben. Denis Burger, Senior Director Seller Growth bei eBay, dazu: „Mit der Initiative möchten wir dabei helfen, mehr lokale Händler für die Ansprüche des modernen Kunden fit zu machen, um so ihre Zukunftsfähigkeit und gleichzeitig auch die der Innenstädte als belebte Einkaufszonen zu sichern.“

Dass E-Commerce-Experten das eBay-Engagement mit dem Offline-Handel ohnehin kritisch bewerten, ist ein weiterer Aspekt, der – ein Glück für eBay – aber wahrscheinlich weitestgehend am Interessensspektrum der ins Auge gefassten Zielgruppe online-rückständiger Fachgeschäfte vorbei geht.

Es bleibt zu hoffen, dass es künftig auch eBay-Städten gelingt, neben den reinen Online-Umsatzzuwächsen ihrer Händler vor allem den Vorhof des stationären Handels, das lokale Web, zu bespielen und somit online-lokale Relevanz für die Angebote der Stadt herstellen.

Auf der anderen Seite wünscht man sich schlicht und ergreifend bei Infrastrukturgebern wie atalanda und anderen eine Standard-Schnittstelle zum eBay-Marktplatz. So könnten Händler, die sich eine Präsenz auf eBay in sortiments-, preis- und personalpolitischer Hinsicht leisten können, ohne weiteres zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Globale Online-Kundschaft und lokale RoPo-Kunden. Denn es ist klar, dass auch die Online City Wuppertal keinen Händler davon abhält, auf eBay zu verkaufen. Nur braucht es dazu nicht zwingend einen mitunter durch öffentliche Gelder geförderten oder durch lokale Kümmerer aus Wirtschaftsförderung oder City-Management unterstützten Prozess.

Denn stationärer Einzelhandel, das ist unstrittig, kann nur zweigleisig integriert mit entsprechenden Brücken-Services wie Check & Reserve oder Click & Collect die digitale Transformation meistern. Denn am Ende wollen insbesondere die inhabergeführten Geschäfte im wahrsten Sinne des Wortes nahe am Kunden sein. Andernfalls wären sie nicht mit Leidenschaft Händler auf der Fläche, sondern könnten sich teure Innenstadtmieten sparen und ein Lager im Gewerbegebiet eröffnen.

Dass momentan bei beiden Lösungen – eBay und atalanda gleichermaßen – Dienstleister, Gastronomen oder Handwerksunternehmen außen vor bleiben, ist ein Makel, das sich beide Infrastrukturgeber anheften lassen müssen. Allerdings sehe ich hier den größeren Spielraum bei den „kleinen“ Infrastrukturgebern wie atalanda, in Zukunft zielführende Lösungen für die digitale Stadt als Ganze zu entwickeln und damit lokale Online-Marken zu etablieren.


4. imGrätzl.at: Die stadtteilsegmentierte Nachbarschaftsplattform aus Wien

Als stadtteilsegmentierte Nachbarschaftsplattform geht „imGrätzl“ in Wien weit über ein händler- und gewerbefokussiertes Schaufensterportal hinaus. Die Betreiber, die sich aus dem Start-up-Umfeld rekrutieren, formulieren es folgendermaßen: „Unser Ziel ist es mit imGrätzl zur Stadtteilbelebung beizutragen und das Miteinander, lokales und kooperatives Wirtschaften im Stadtteil zu fördern und zu stärken.“

Damit liegt die Plattform funktional näher an digitalen Nachbarschafts- und Quartiersplattformen wie nebenan.de als an lokalen Online-Marktplätzen. 160 Stadtteile bzw. „Grätzl“ in 23 Wiener Bezirken haben mit „imGrätzl“ einen hyperlokalen digitalen Kommunikationsraum erhalten. Stadtteilakteure haben damit eine Art Community-Hub an der Hand.

Mehr dazu in der Detailbeschreibung der Initiative »


Bildnachweise (absteigend): 
1. Andreas Haderlein

2. Andreas Haderlein
3. © obs/eBay GmbH
4. © morgenjungs GmbH

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