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Newsletter #03

vom 3. Mai 2017

Sehr geehrte(r) Frau/Herr ,

die Digitalisierung in Stadt, Region und Handel ist ein Dauerthema. Alleine die unten aufgeführten Veranstaltungshinweise sprechen Bände. Und dennoch hat man das Gefühl, viele, nein: zu viele City-Manager und Innenstadthändler dieser Nation scheuen sich noch immer davor, die Herausforderung Digitalisierung wirklich anzunehmen.

Handelsverbände und IHKs sind sich ebenso uneinig über Lösungsansätze wie Wirtschaftsförderer oder Forschungseinrichtungen, die Fördertöpfen hinterherhecheln statt den Deckel zum Topf lokaler Digitalisierungsstrategien zu finden. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel (siehe das „Einzelhandelslabor Südwestfalen“).

Mangelt es wirklich an vorzeigbaren Konzepten und Ergebnissen? Ich glaube nicht. Über 75 gelistete digitale City-Initiativen auf LocalCommerce.info zeigen ja, dass es mutige Städte und Kommunen, aber auch risikobereite Plattformbetreiber gibt, die Nägel mit Köpfen machen. Informationen liegen also genug vor. Außerdem: Neben der CIMA hat sich nun auch das CCEC einer Überblicksstudie zu lokalen Shoppingplattformen gewidmet.

Dass zu einer digitalen Initiative mitunter auch das Scheitern gehört und in den Prozessen Korrekturen vorgenommen werden müssen, steht außer Frage. Deshalb bemühe ich mich auch, mit einer konstruktiven Kritik und fairen Bewertung („gelungene Umsetzung“ und „Optimierungsbedarf“) den einzelnen Initiativen und Lesern der Informationsplattform LocalCommerce.info zielführende Impulse zu geben. Sie speisen sich in erster Linie aus den Erfahrungen meiner intensiven Arbeit am Modell „Online City Wuppertal“. Mit welchen weiteren Elementen ich LocalCommerce.info als Entscheidungshilfe in Sachen Digitale Transformation in Stadt, Region und Handel stark machen möchte, lesen Sie ebenfalls in diesem Newsletter.

Um die Debatte über digitale Lösungen für Standorte in den Gang zu bekommen, habe ich das „Local Commerce Manifest“ mit bisher 14 Thesen veröffentlicht. Es ist nicht auszuschließen, dass Korrekturen vorgenommen werden müssen oder weitere Thesen hinzukommen. Ihre Meinung und Beiträge sind also gefragt. Ein sinnvoller Ort des Austauschs ist die Facebook-Gruppe „Local Commerce Alliance“. Klopfen Sie einfach an und diskutieren Sie mit.


Ihr
Andreas Haderlein
Gründer und Chefredakteur
Local Commerce Alliance



Die Themen im Überblick:

1. Einzelhandelslabor Südwestfalen: EFRE-gefördertes Sensibilisierungs- und Schulungsprogramm
2. CCEC-Studie „Lokale Shoppingplattformen 2016“: Überblick und Kundenbefragung
3. Zur Nutzung von LocalCommerce.info (Folge 1): die Initiativen-Datenbank
4. Veranstaltungshinweise: Volles Programm im Mai 

Einzelhandelslabor Südwestfalen im laufenden Betrieb

Die IHK Arnsberg, Hellweg-Sauerland und die Südwestfälische IHK zu Hagen unternehmen bisher wohl die konkretesten Anstrengungen in Sachen Local Commerce. Sie sind Projektpartner des EFRE-geförderten „Einzelhandelslabors Südwestfalen“. Dessen Ziel ist es, „den stationären Einzelhandel mit Workshops und Wissensvermittlung für eine eigene Cross- oder Omni-Channel-Strategie langfristig zu stärken“.

Das Projekt besteht seit April 2016 und läuft insgesamt drei Jahre. In der ersten Projektphase wurden Modellkommunen ausgewählt, um dort das Kundenverhalten und den Digitalisierungsgrad des örtlichen Einzelhandels zu untersuchen. Seit Anfang 2017 finden eine Reihe von Workshops statt. Einer davon widmete sich dezidiert lokalen Shopping-Plattformen. In diesem Rahmen steuerte das Competence Center eCommerce (CCEC), ein weiterer Projektpartner des Einzelhandelslabors, nicht zuletzt die Studie „Lokale Shoppingplattformen 2016“ bei (siehe nachfolgend).

Begleitende Erhebungen wie eine Händlerbefragung geben aufschlussreiche, aber auch sehr bedenkliche Hinweise zum Stand der Digitalisierung im südwestfälischen Einzelhandel. Bedenklich deshalb, weil vor allem die Haltung gegenüber der Thematik alles andere als progressiv zu sein scheint und nur rund 12 % der 208 befragten Händler den „Druck der Kunden“ spüren. Ist die Digitalisierung etwa ein Phantomschmerz?

Mehr dazu: www.einzelhandelslabor.de


Das Competence Center E-Commerce (CCEC) untersucht lokale Shoppingplattformen

Bisher lag mit der CIMA-Publikation „Gemeinsam online? Digitale City-Initiativen auf dem Prüfstand“ eine der wenigen Überblicksstudien zu lokalen Online-Marktplätzen vor. Bereits Ende letzten Jahres aber hat das Competence Center E-Commerce (CCEC) mit „Lokale Shoppingplattformen 2016“ eine weitere Orientierungshilfe für Akteure aus Stadtmarketing, City-Management und Wirtschaftsförderung beigesteuert – auch wenn man sich ergänzend zum Scoring eine mutigere Haltung bei der Bewertung gewünscht hätte.

Eine sehr brauchbare Typologie der unterschiedlichen Marktplatz-Ansätze, zu denen auch Online-Schaufenster gezählt werden, ist das Herzstück der Studie. Die Autoren Prof. Dr. Weber, Michael Bollweg und Markus Sieperman unterscheiden entlang der Achsen Transaktionsfähigkeit und Funktionsumfang folgende Ansätze:

  1. Händlerarchiv-Plattform
  2. Produktarchiv-Plattform
  3. Produktanfrage-Plattform
  4. Empfehlungs-Plattform
  5. Transaktions-Plattform

Im Gegensatz zur CIMA-Untersuchung von 2015 bleibt die Rolle des Stadtmarketings bzw. City-Managements bei lokal verankerten Shoppingplattformen unterbelichtet. Dafür aber hat man mit einer Verbraucherbefragung am Sitz des CCEC, in der 50.000-Einwohner-Kreisstadt Soest, einige sehr erkenntnisreiche Einblicke in das Verbraucherverhalten, vor allem aber in das Wunschdenken des lokalen Kunden in Bezug auf lokale Shoppingplattformen erhalten.

Wie bereits bei der IFH/KPMG-Befragung von Ende 2015 wird auch in der Soester Untersuchung deutlich: Eine Mehrheit der Verbraucher sieht lokale Online-Marktplätze als nützlich an, wenn vor allem eines gegeben ist: die Abbildung der stationären Warenverfügbarkeit

Das CCEC, das sich als Plattform für Wissenschaft & Praxis begreift, fokussiert bei Handelsthemen vor allem auf den inhabergeführten stationären Einzelhandel (ISEH). Die Forschungseinrichtung ist an drei universitären Einrichtungen verankert: an der Freien Universität Berlin, an der Ruhr-Universität Bochum und an der Fachhochschule Südwestfalen. Neben Themen wie E-Learning oder ökonomische Theorien hat das CCEC als erste akademisch geprägte Einrichtung „Local Commerce“ zum Schwerpunktthema gewählt. Die Studie „Lokale Shoppingplattformen 2016“ liegt auch in englischer Sprache vor.

Mehr zum CCEC: www.ccec-online.de

PDF-Download der Studie »


Zur Nutzung von LocalCommerce.info (Folge 1): die Initiativen-Datenbank

LocalCommerce.info ist eine stetig aktualisierte Informationsplattform, auf der vor allem digitale City-Initiativen samt der beteiligten Unternehmen und Institutionen portraitiert werden. Schwerpunkt dabei ist Deutschland, es werden jedoch Initiativen und Plattformen aus dem gesamten DACH-Raum gelistet.

LocalCommerce.info ist im Dezember 2016 im „Soft-Launch“ gestartet und befindet sich noch immer im Aufbau. Die Initiativen-Datenbank ist das Herzstück. Die einzelnen Initiativen werden anhand einer Kurzbeschreibung und – soweit bereits geschehen – durch einen Kommentar im Fließtext bewertet („Bewertung durch LocalCommerce.info“). 

Weitere Parameter dienen insbesondere der Filterung und zum Vergleich der Ansätze:

  1. Neben dem Namen werden die Initiativen in 7 unterschiedliche Marktplatz-Modelle unterschieden. In der Map sind diese mit unterschiedlichen Farben gekennzeichnet.
  2. Die Angabe von Stadt, Bundesland, Land, Einwohnerzahl und Standortgrößen Kleinstadt bis Region dienen vor allem der Filterung. Ein City-Manager in einer Mittelstadt kann sich so mit wenigen Klicks zu Initiativen vorarbeiten, die seiner eigenen Standortgröße entsprechen. Oder: Mit einem Klick können etwa nur Initiativen in Niedersachsen gefiltert werden.
  3. Die aktiven Links im Kopfteil der Initiativen-Detailseite führen zu den entsprechenden Online-Plattformen, deren Apps, den Teilnehmer-Informationen oder Social-Media-Präsenzen.
  4. Der Projektträger und Infrastrukturgeber findet sich in der rechten Spalte (Large-Screen-Ansicht) verlinkt.
  5. Ebenfalls dort sind – wenn bekannt – Angaben zu Fördersummen und -perioden gemacht.
  6. Wichtig auch für den Such-Filter sind die beteiligten Akteure einer City-Initiative. So können in der Datenbank alle City-Initiativen mit Beteiligung von Dienstleistern oder Handwerksunternehmen gefiltert werden. 
  7. Elementare Parameter für lokale Online-Marktplätze mit Shop-Funktionalität sind die Anzahl der Online-Profile und verfügbaren Produkte, da diese Aufschluss über den Fortschritt der Initiative geben. Sie werden zudem im Rahmen der redaktionellen Bearbeitung regelmäßig aktualisiert.
  8. Das Händler-Dienstleister-Verhältnis gibt ebenso wie die Anzahl der Online-Profile Aufschluss über den Akquise-Erfolg der Plattformbetreiber. Darüber hinaus aber können damit Marktplätze in der grundsätzliche Ausrichtung unterschieden werden. Händlerfokussierte Lösungen etwa sind tendenziell transaktions- oder empfehlungsbasiert.
  9. Die Zielgruppe des Angebots wird im letzten Punkt der rechten Spalte formuliert, bevor das Datum der letzten Aktualisierung des Eintrags angegeben ist.
  10. Unter der Kurzbeschreibung und ggf. Bewertung finden sich weitere beschreibende Felder zur Initiative. Sehr wichtig sind dabei die Werkzeuge & Services, da sie die Funktionstiefe einer Plattform betreffen. Die einzelnen Werkzeuge sind in einer separaten Datenbank beschrieben.
  11. In den optionalen Feldern zu begleitenden Maßnahmen, Finanzierung, Preismodell für beteiligte City-Akteure, Projekt- und Kooperationspartnern kann sich der Leser vertieft auf eine digitale City-Initiative einlassen.
  12. Unter den aktuellen Nachrichten am Fuß der Initiativen-Detailseite werden News auf LocalCommerce.info verlinkt, die auf die jeweilge Initiatve direkten Bezug nehmen.

Zur Initiativen-Datenbank »


Veranstaltungstipps für Mai und Juni

Auch in den kommenden Wochen unterliegen zahlreiche Seminare und Tagungen dem Diktat der Digitalen Transformation in Stadt und Handel. Eine Auswahl:

08./09. Mai 2017, Berlin: Auch wenn bereits zum Anmeldeschluss geläutet wurde – die Difu-Fortbildung „Digitalisierung und Smart City – Wie IKT kommunale Diensteistungen verändert“ macht das „Zusammenwirken von Stadtplanung, Wirtschaftsförderung, Infrastrukturbetreibern, IKT-Dienstleistern und Forschungseinrichtungen“ beim Bau der digitalen Stadt zum Generalthema. Mehr dazu »

22./23. Mai 2017, Düsseldorf: Die Veranstalter der 40. urbanicum Studientagung werben gerade mit einem Zitat des Referenten Markus Wotruba um Aufmerksamkeit: „Es gibt keine geheime Technologie, die den stationären Einzelhandel substanziell nach vorne bringen könnte. Alle Maßnahmen für ein erfolgreiches stationäres Geschäft sind bekannt und grundsätzlich in jedem Ort möglich. Es scheitert daran, dass es nicht genügend Menschen gibt, die die notwendigen Opfer bringen wollen und die notwendigen Fähigkeiten mitbringen.“ Der Mitarbeiter der BBE Handelsberatung GmbH referiert zu seinem derzeitigen Studien-Steckenpferd „Räumliche Auswirkungen des Online-Handels“. Auch wer ein Blick über die Landesgrenzen hinaus machen möchte, ist bei dieser Tagung gut aufgehoben. Leerstand und Schrumpfung gibt es nämlich auch in Frankreich. Wie dort mit ihr umgegangen wird, verraten Raumexperten aus Paris. Mehr dazu »

29./30. Mai 2017, Berlin: Die Tagung mit dem sperrigen Titel „Sicherung wohnortnaher integrierter Versorgungslagen“ am Institut für Städtebau Berlin steht insbesondere am ersten Tag ganz im Zeichen des veränderten Kaufverhaltens und dessen Auswirkungen auf Standorte. Die Veranstaltung wird vom Wissensnetzwerk Stadt und Handel e.V. unterstützt. Die Leitung haben demzufolge Dr.-Ing. Tanja Korzer und Dr.-Ing. Frank Amey inne. Sie wollen Lösungsansätze für den gegenwärtigen Strukturwandel in Stadt und Handel diskutieren. Mehr dazu »

22. Juni 2017, München: Im ICR-Modul „Die Digitale Stadt“ erwartet Sie der Citymanager, Online-Experte und CIMA-Mitarbeiter Christian Kramer als Referent. Er will unter anderem die Frage beantworten, welche Systeme und Infrastrukturen sich in der „Zukunftsstadt“ durchsetzen werden. Das ICR ist das Institut für City- und Regionalmanagement Ingolstadt e.V., das sowohl mit der Bundesvereinigung City- und Stadtmarketing Deutschland e.V. (bcsd) als auch mit den Kommunalberatern der CIMA kooperiert. Mehr dazu »


Bildnachweise (absteigend): 
  1. Logo, Einzelhandelslabor Südwestfalen
  2. Studiencover, CCEC
  3. screenshot, LocalCommerce.info
  4. Local Commerce Kongress, © Tom V Kortmann

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